Das Vermächtnis der Grimms

Von Nicole Böhm


Wer hat Angst vorm bösen Wolf?
Kristin Collins steht vor der größten Herausforderung ihres Lebens: Ihr Bruder Brayden holt sie in seine Special Task Force, die Jagd auf den sogenannten Grimm mäht – ein wolfsartiges Wesen, das durch die Märchen der Brüder Grimm in die Welt der Menschen dringt und jeden mit Wahnvorstellungen verflucht, der über ihn liest.
Je tiefer Kris in die Märchen abtaucht, desto mehr verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Fantasie. Schließlich weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann – und wer selbst Teil des Fluches geworden ist.


Ein abenteuerliches, spannendes und teilweise etwas gruseliges Buch mit vielen Wendungen besonders am Ende.

Wir fangen mal ganz vorne an. Man bekommt einen Einblick in die Welt der Märchen und der Fantasie. Eine tolle Idee die Fantasie magisch zu machen und die Märchen in einer anderen Dimension zum leben zu erwecken. Und das durch eine Gruppe von nahezu unsterblichen Menschen in einem Kloster, welche die Masali genannt werden. Sie erschaffen die Märchen und Geschichten, welche von der Wächterin der Fantasie entweder aufgenommen oder abgelehnt werden. Sie wird Moon genannt und bezieht ihre Kraft vom Mond.

Nebenbei wird ein Zusammenhang zur heutigen Wirklichkeit aufgebaut. In einzelnen Kapiteln wird dem Leser Kris vorgestellt. Eine junge Frau, die noch nicht weiß, wo es sie im Leben hinbringen wird. Sie hat eine erstaunliche Gabe. Sie kann zwischen den Zeilen lesen. Das heißt, sie kann die Wahrheit hinter dem geschrieben Wort erkennen. Sie bekommt, wenn sie es zulässt und manchmal auch unerwartet, eine Art Visionen die Wahrheit sehen kann. Zum Beispiel hat sie in einer Textnachricht gesehen, dass ihr Freund sie mit seiner Ex-Freundin betrogen hat, genau in dem Moment in dem er ihr geschrieben hat, dass er sie liebt.

Und dann erlebt man mit einer Figur kleine Abenteuer in Abalion, der Dimension der Märchen und Geschichten. Er heißt Ash. Er gibt dem Leser einen Einblick in die schönen und zugleich brutalen Seiten der Fantasiewelt.
Ash und Kris treffen auch irgendwann durch Zufall oder vielleicht auch durch Schicksal aufeinander. Kris reist in ihren Visionen in die Märchenwelt wo sie auf Ash trifft und ihn das ein oder andere Mal in Gefahr bringt so wie sich selbst auch.

Inhaltlich möchte ich nur noch sagen, dass im Laufe der Geschichte viele Verbindungen geknüpft und erklärt werden. Es gibt einige Wendungen auf die man entweder hofft oder mit denen man nicht so ganz gerechnet hat. Ganz besonders schockierend ist des Ende bzw das letzte Kapitel des Buches. Es erklärt zwar noch einige Dinge und lässt andere Sachen einen Sinn ergeben, aber es eröffnet auch Sachen mit denen niemand bzw ich niemals gerechnet hätte.

Es ist unglaublich Spannend bis zum Schluss und die Seiten fließen nur dahin, egal wie viel Zeit man sich lässt. Das lässt darauf schließen, dass ich den Schreibstil einfach unglaublich toll finde.

Was auch zu diesem tollen Lesefluss beiträgt sind die verschiedenen Perspektiven. In den Kapiteln von Ash und Kris wird in der Ich-Perspektive erzählt. Das heißt wir wissen ganz genau was die beiden jeweils denken, fühlen und tun. In den Kapiteln in denen es um die Masali geht, egal um welche der Figuren es sich handelt, wird aus der Er-/Sie- Perspektive erzählt. Das heißt dort ist man nicht die Person die gerade handelt sondern steht praktisch neben ihr, hört aber manchmal die Gedanken ebendieser.

Diese Kombination der Erzählperspektiven finde ich sehr interessant und habe sie bis jetzt noch nicht bewusst in einem anderem Buch erlebt. Ich finde es toll, dass Nicole Böhm ebendiese Kombination mal ausprobiert hat. Bis jetzt kannte ich sie noch nicht, möchte aber sehr gerne weitere Bücher von ihr lesen, da mich ihr Schreibstil in diesem Buch wirklich überzeugt hat.

Der zweite Band soll auch bald erscheinen, soweit wie ich das mitbekommen habe. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte von Kris, Ash und den Masali weiter geht und ob Kris es schafft, hinter all das zu blicken und das Böse zu stoppen.

Schreibstil:5 out of 5 stars (5 / 5)
Lesespaß:5 out of 5 stars (5 / 5)
Inhalt:5 out of 5 stars (5 / 5)
Durchschnitt:5 out of 5 stars (5 / 5)

Eine Antwort auf „Das Vermächtnis der Grimms“

  1. Ich las die Rezension und dachte spontan an Professor Trelawney. „Der Grimm!“, der wolfsartige Schatten, der Unheil kündet und den die gute Sybill ständig rund um den armen Harry Potter erblickte.

    Ich las weiter von der magisch gemachten Phantasie und den Märchen in der anderen Dimension, von der jungen Frau, die „zwischen den Zeilen“ lesen kann, und mir ging Tintenherz durch den Kopf.

    Ich kam zu den unsterblichen Menschen im Kloster und Terry Pratchetts Zeitmönche erschienen vor meinem inneren Auge, wenngleich dieses Buch vermutlich nicht so humoristisch angelegt ist wie die Geschichten von der Scheibenwelt.

    Dann kamen Kris und Ash, die aus unterschiedlichen Welten stammen und sich durch Zufall begegnen. „His Dark Materials“ (sprich: „Der goldene Kompass“, „Das magische Messer“ und „Das Bernsteinteleskop“) erschien mir.

    All das ist nicht schlimm. Man findet vermutlich in den meisten aktuellen Büchern Dinge, die man schon einmal so oder so ähnlich las. Interessant ist, wie diese Dinge umgesetzt werden und genau das hat mich gerade etwas angefixt. Noch habe ich Lesestoff, in ein paar Büchern aber werde ich das Vermächtnis der Grimms zur Hand nehmen.

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